Ziele

Die Therapieziele in der Behandlung (komplex) traumatisierter Menschen gehen über die Auseinandersetzung mit dem eigentlichen Trauma hinaus.

Grundsätzlich soll die Therapie

  • die Folgen der erlebten Traumata lindern,
  • die Lebensqualität verbessern,
  • die Fähigkeit, den Alltag zu bewältigen, stärken.

Konkret geht es um

  • Aufbau von Selbstbewusstsein und Abbau von Hilflosigkeit
  • Entwicklung von Wahlfreiheit statt destruktiver Bindung leben
  • Ausbau und Entwickeln von Stärken (Ressourcen)
  • Bewältigungsfertigkeiten nutzen statt Bindung von zu viel Energie in Wiedererleben (Intrusionen und Flashbacks) und Vermeidung (Dissoziation).

Wichtig ist eine fortwährende Balance zwischen Phasen der kontrollierten und achtsamen Traumakonfrontation und stabilisierender Reorientierung auf die Gegenwart. An welcher Stelle die Therapie ansetzt, hängt ab von

  • der aktuellen Symptomatik,
  • der Persönlichkeitsstruktur,
  • der Stabilität.

Deshalb folgt die Zielformulierung und Therapieplanung einer dynamischen Hierarchie:

Zielebene 1: Therapiefortschritt behinderndes Verhalten

  • mit Dissoziation, motivationale Probleme und Substanzmissbrauch umgehen
  • Sicherheit und Halt in Beziehungen aufbauen
  • Stärken- und Ressourcenvorstellungen entwickeln
  • Umgang mit Stress und Anforderungen verbessern
  • Strategien zur Emotionsregulierung und Selbstfürsorge vermitteln
  • Umgang mit Gefühlen verbessern, um existenzielle Verunsicherungen abzubauen
  • Angst, Scham, Schuld und Ekel abbauen

Zielebene 2: Schwere psychosoziale Probleme

  • schwere finanzielle Probleme, drohende Obdachlosigkeit abwenden
  • schwierige Beziehungsmuster korrigieren
  • Achtsamkeit und die Fähigkeit, die Beweggründe anderer nachzuvollziehen und zu verstehen/verbessern (Mentalisierung)

Zielebene 3: PTBS aufrechterhaltendes Verhalten

  • Meidungs- und Fluchtstrategien, Intrusionen, Alpträume auflösen
  • problematische Einstellungen und Denkweisen im Zusammenhang mit der körperlichen und psychischen Symptomatik verändern
  • verständliches und plausibles Erklärungsmodell für die Entstehung und Chronifizierung der komplexen Symptomatik erarbeiten
  • Bewältigungskompetenz im Umgang mit den Traumafolgen stärken
  • Distanzierungstechniken gegenüber Traumaerinnerungen erarbeiten
  • im Hier und Jetzt verankerte Emotionen durch Aufrechterhaltung des Gegenwartsbezugs stärken
  • traumaassoziierte emotionale Automatismen abbauen (achtsamkeitsbasierte Exposition)
  • mit inneren Selbstanteilen arbeiten und Strategien zur Selbstbeelterung und Fürsorge erlernen ("Innere-Kind-Arbeit")

Zielebene 4: Eingeschränkte Lebensqualität, geringer Selbstwert, Schwierigkeiten im Umgang mit Körper / Sexualität

  • positive Körperwahrnehmung bzw. positives Körperschema wiedererlangen
  • Wahrnehmung und Ausdruck eigener Bedürfnisse verbessern
  • soziale Kompetenzen fördern
  • neue Strategien und Handlungsalternativen im Umgang mit Problemen und Belastungen im Alltag erarbeiten

Weitere Ziele

Die weiteren Ziele beziehen sich auf die Therapie typischer Begleit- und Folgeprobleme wie:

  • Depressionen
  • Schlafstörungen
  • Ängste
  • Zwänge
  • Abhängigkeitserkrankungen
  • dissoziative Störungsbilder